Online-Shopping als Ausdruck einer veränderten Gesellschaft?

Was vor 50 Jahren noch Wunschdenken war und maximal der Feder eines Science-Fiction Autors entsprang, ist heute Realität: immer mehr Menschen sparen sich zu immer mehr Gelegenheiten den Gang zum Supermarkt oder zum Modegeschäft. Online-Shopping heißt das Gebot der Stunde und hat den traditionellen stationären Handel in weiten Teilen bereits ein-, zuweilen gar überholt. Wie ist es dazu gekommen?

Das Kaufverhalten unserer Gesellschaft hat sich in den letzten 50 Jahren von Grund auf verändert. Die Zeiten des Mangels an Produkten sind vorbei, das Angebot übersteigt die Nachfrage um ein Vielfaches. Heutzutage will jeder alles und zwar sofort haben. Auf dieses Bedürfnis hat der Handel mit fortschreitender Entwicklung des Internets reagiert und sein Angebot angepasst. Mittels Internet und sonstiger Telekommunikationsmittel kann man heute nahezu von überall auf der Welt aus beinahe alles käuflich erwerben. Ob Modeartikel, Lebensmittel oder Medikamente – sofern nicht gesetzliche Bestimmung dagegen sprechen – hat das mobile Kaufangebot mittlerweile fast jeden Bereich erobert. Aber was ist der Reiz des Einkaufs vom heimischen Computer aus?

Zunächst ist da die schier unendliche Angebotsfülle. Zahlreiche Online-Händler und Vergleichsseiten listen gerade im Bereich Mode sämtliche Modelle samt Größen und Farben auf. Insofern kommt dem Verbraucher eine Übersichtlichkeit der Angebotspalette zugute, mit welcher der stationäre Handel nur sehr bedingt mithalten kann. Hinzu kommt, dass mobiles Einkaufen häufig aus zeitlichen Gründen bevorzugt wird: in einer Gesellschaft, die immer weniger Zeit hat bzw. sich für gewisse Dinge nehmen möchte, lockt beim mobilen Shoppen oftmals der Zeitvorteil, den dieser mit sich bringt. Schließlich spricht auch der Preis für sich: während stationäre Händler im klassischen Ladengewerbe bei der Gestaltung ihrer Preise auf ihre jeweiligen individuellen, finanziellen Umstände angewiesen sind, hat der Online-Handel häufig lediglich die Kosten der Darbietung im Internet zu tragen. Gerade fehlende Mietkosten in häufig lukrativen und kostspieligen Gegenden in der Innenstadt sorgen dafür, dass die Preise online im Gegensatz dazu häufig unschlagbar günstig sind.

Doch mobiles Einkaufen bringt auch Nachteile mit sich. Kleidung kann beispielsweise nicht unmittelbar anprobiert, Lebensmittel können nicht auf ihre Frische o.ä. überprüft werden. Dies hat zur Folge, dass Reklamationen häufig auf dem Versandwege abgewickelt werden müssen und somit häufig mehrere Tage in Anspruch nehmen. Folge dessen ist irrwitzigerweise, dass somit der gewonnene Zeitvorteil des Online-Shoppings unmittelbar wieder verloren geht. Der Online-Handel hat auf die Bedürfnisse des Kunden jedoch auch hier reagiert. Optiker bieten online mittlerweile mittels hochgeladenem Fotos des Kunden die Möglichkeit, die gewünschte Brille optisch bereits einmal aufzusetzen. Auch im Kleidungsbereich werden derartige Methoden getestet. Allerdings kann und muss derartiges Anprobieren seine Grenzen da haben, wo insbesondere Mode ihre haptische Wirkung erst vor Ort entfaltet.

Schließlich mangelt es dem Online-Shopping häufig am spontanen Moment: der Kunde wird nicht beim Schlendern durch die Stadt von Neuem angeregt, was er eventuell auch kaufen möchte. Zwar sorgen jede Menge Werbebanner und verlinkte Seiten auch im Internet dafür, dass dem Kunden über seinen gewünschten Artikel hinaus auch andere Sachen „angedreht“ werden; dennoch ist dies nicht mit dem stationären Handel zu vergleichen. Psychologen, welche sich mit der Anordnung und Gestaltung von Ladeneinrichtung beschäftigen, haben dies bestätigt.

Außerdem fehlt es dem mobilen Shoppen an der Persönlichkeit des Verkaufes, welche der stationäre Handel mit sich bringt. Wem bereits einmal von einem Verkäufer persönlich ein Artikel empfohlen wurde, weiß um die Bedeutung dessen. Aber in unserer heutigen, individualisierten und anonymen Gesellschaft ist dies häufig auch nicht mehr erwünscht. Oder doch?

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